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Poesie

Ich sitze alleine in unserem Sämi im Aostatal. Es regnet in regelmässigem Rhytmus aufs Dach und ich habe viel Zeit für mich, meine Gedanken und meine Welt.


Aktuell geniesse ich vier Wochen umbezahlten Urlaub. Das sonnige und warme Wetter zog mich nach Italien. Die ersten Tage verbrachte ich im Apennin Gebirge. Ich lernte ein mir noch unbekanntes Gebiet auf dem Rennvelo und einmal beim Wandern kennen. Unzählige kleine Nebenstrassen mit vielen Höhenmetern haben mich ziemlich ausgelaugt. Mein Kopf ist seit den letzten Wochen leer, so viel ist passiert oder aktuell in einem Veränderungsprozess. Was da alles Neu auf mich und Roger zukommen wird, werden wir zu einem anderen Zeitpunkt teilen, sobald alles auch wirklich wahr geworden ist. Was ich doch schwer hoffe. 


So alleine im Bus zu reisen hat, wie alles im Leben, zwei Seiten. Ich geniesse die Spontanität, die Freiheit und Ungebundenheit. Ich kann aufstehen wenn ich wach bin, mich benehmen wie ich will und einfach alles selbst entscheiden ohne Rücksicht auf Andere. Aber manchmal können 7 Tage à 24h alleine auch lange werden. Mein Körper wird älter und ich muss akzeptieren, dass ich nicht mehr jeden Tag von Morgen bis Abend Sport machen kann. Es reichen mir Touren unter 100 km und zum Beispiel heute konnte ich mich überhaupt nicht für Sport begeistern. Da war nicht nur das Wetter daran schuld. Auch vermisse ich Roger und meine besten Freundinnen. Ich habe gerne einen mir nahestehenden Menschen an meiner Seite, einfach nicht zu viele aufs Mal. 🤣


Wie immer beim Reisen lese ich sehr viel. Und dank den vielen Büchertauschschränken finde ich immer wieder neue, spannende Bücher. Zum Bespiel das Buch über den Schweizer Kunstturner Lucas Fischer. Ihn kannte ich ehrlich gesagt vorher noch gar nicht. Sein Buch habe ich innerhalb weniger Stunden verschlungen. Dank ihm und meinem aktuellen Buch über den ehemaligen Fussball Torwart Robert Enke, bin ich auf eine neue Tätigkeit gestossen. Ich habe begonnen meine vielen Gedanken in Gedichten niederzuschreiben. Ich wusste gar nicht, dass ich das kann und das es mir gut tut. Dabei sind bereits einige Gedichte entstanden, welche ich über WhatsApp mit Roger und meinen beiden Freundinnen Maria und Marit teile. Denn auch das Teilen hat seine Wirkung.


Eines, über meine Innere Unruhe werde ich sogar hier mit allen teilen:


Immer bist du da
und mir oft viel zu nah.
Am Morgen früh aus dem Bett,
schubst du mich mit einem Tritt.

Was soll es heute sein?
Was muss heute alles rein?

Ruhen und still sitzen,
ein Tag ohne zu schwitzen.
Auf keinen Fall,
dann meldest du dich in einem Schwall.

Seit ich denken kann,
bist du an mir dran.
Meldest dich sofort,
an jedem noch so stillen Ort.

Du machst mein Leben schwer,
aber ohne dich wäre es zu leer.

Freunde finden macht das schwer,
denn oft beherschst du mich zu sehr.

Es kribbelt,
es hibelt
in mir drin,
dabei wäre ich doch oft so gerne still.

Mein Körper wird älter,
die Energie weicht aus dem Behälter.
Nur du, du verschwindest nie,
dazu bist du ein zu grosses Genie.


Ich bin absolut kein Meister-Dichter. Aber es werden bestimmt noch weitere folgen.


Das aktuelle Buch über Robert Enke beschäftigt mich nämlich sehr. Ich brauche immer wieder eine Pause und lese dann jeweils in einem etwas fröhlicheren Buch von einem Franzosen, welcher zusammen mit einem Huhn die Welt umsegelt hat.


So jetzt werde mich in die Räuberhöhle, wie Roger liebevoll unser Schlafgemach nennt, zurückziehen. Noch ein bisschen lesen und dann wieder meine zehn Stunden schlafen und morgen schauen was das Wetter und meine Laune macht!! Hihi


Am Donnerstag gehts für ein paar wichtige Termine zurück in die Schweiz und auch nächste Woche gibts die eine oder andere Verpflichtung. Aber nebenbei geniesse ich meine Freiheit und das einfache und unkomplizierte Nomadenleben in unserem Bus ohne fliessend Wasser, ohne Dusche und ohne unnötigen Balast.


Pura vida

Cristina

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Kommentare: 1
  • #1

    Jolanda Tschanz (Montag, 10 Juni 2024 17:37)

    Sehr interessanter Beitrag. Vielen Dank